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... dann werden die Muscheln graviert
Zwei Stunden sind schon vergangen, kurze Pausen gibt es nur, wenn er glaubt, dass ich Durst habe
oder spürt, dass meine Konzentration nachlässt. Endlich sind auch die Kanten gerundet und eine Stelle, an der meine
Muschelschale uneben gewachsen ist, geglättet.
Wir verlassen die Werkstatt. Im Hof steht, nah am Wasserhahn, die
Poliermaschine. Musste ich bei den Schleifscheiben noch dagegen kämpfen, dass zuviel auf einmal weg geschliffen wurde,
so versucht die Poliermaschine mir mit den runden Stoffscheiben, die sich mit sehr hoher Geschwindigkeit drehen, die
Muschel aus der Hand zu schlagen. Ich sitze auf einem umgedrehten Eimer und beuge mich konzentriert zu meinem neuen
"Feind" vor, in dem Bemühen die Technik zu beherrschen. Er hockt neben mir, balanciert auf seinen Zehenspitzen, lehrt
mich die gefräßige Poliermaschine nicht wie einen Gegner sondern wie einen Freund zu betrachten und dementsprechend zu
behandeln. Es braucht lange, aber irgendwann versucht die Poliermaschine nicht mehr mir die Muschel mit 50.000
Umdrehungen aus der Hand zu schlagen, sondern glättet folgsam alle Kanten, lässt die Außenseite der Muschel im gleichen
Perlmuttglanz erstrahlen wie die völlig ebene Innenseite.
Endlich liegen zwei Muscheln vor uns bei denen meine
Freunde in Deutschland bis heute nicht unterscheiden können, welche von ihm und welche von mir ist. Was haben wir
eigentlich hergestellt? Nichts weiter als den Rohling einer Muschel, aus dem jetzt erst ein Schmuckstück
herausgearbeitet werden kann. Hierbei bin ich mit meiner Rolle als Zuschauer mehr als zufrieden. Kleine Handreichungen,
ein bisschen polieren, damit ich zu Hause sagen kann, ich habe daran mitgearbeitet. Einen Anhänger fertigt er ganz nach
meinen Wünschen, integriert meine Vorstellungen in sein Wissen um den Gott Tu, dem Herrscher über die Lagune von
Rangiroa. Gemeinsam entsteht unter seinen Händen mein persönliches Amulett, indem sich meine Wünsche für den, der es
lesen kann, widerspiegeln. Ich bin glücklich.
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